Tauchen in Chidiyatapu
Drei unglaubliche Tauchgänge auf den Andamanen
Es gibt Tauchtage, die einem noch lange in Erinnerung bleiben, lange nachdem man getrocknet ist, die Ausrüstung verstaut und das Boot verlassen hat. Für mich war unser Tauchtag in Chidiyatapu genau so ein Erlebnis.
Wenn du Tauchferien auf den Andamanen planst, bietet Chidiyatapu etwas ganz anderes als die bekannteren Tauchplätze. Es geht hier nicht um grosse Arten, sondern um die unglaubliche Vielfalt an Makro-Meereslebewesen, ruhige Bedingungen und besondere Unterwasserbegegnungen.
Warum in Chidiyatapu tauchen?
Chidiyatapu wird oft zugunsten populärerer Tauchspots übersehen, hat sich aber unter erfahrenen Taucherinnen und Tauchern einen hervorragenden Ruf erarbeitet für:
- Reiches Makroleben (Nacktschnecken, Garnelen, Riffbewohner)
- Sehr gute Sichtverhältnisse bei ruhigen Bedingungen
- Ideale Voraussetzungen für Unterwasserfotografie
Während unseres Bootsausflugs haben wir einen ganzen Tag diesem Gebiet gewidmet, mit insgesamt drei geplanten Tauchgängen.
Eigentlich wollten wir schon früher dort tauchen. Aufgrund von Problemen mit der Tauchbasis wurde das Ganze jedoch verschoben, bis ein Freund die Organisation übernahm. Als wir ursprünglich tauchen wollten, konnte uns niemand sagen, welche Tauchplätze für den nächsten Tag geplant waren. Deshalb haben wir uns nicht angemeldet, mein Mann kennt die Spots und weiss, welche sich lohnen.
Unterwasserfotografie, ein neuer Versuch
Ich entschied, dass dies die perfekte Gelegenheit wäre, mich wieder an der Unterwasserfotografie zu versuchen. Ich entschuldige mich schon jetzt dafür, dass die Bilder eventuell nicht allzu scharf geworden sind. Da diese alle von mir stammen.
Das letzte Mal hatte ich es während meines Advanced Open Water Kurses probiert, im Nachhinein viel zu früh. Ich war so sehr aufs Fotografieren konzentriert, dass ich meine Umgebung völlig aus den Augen verlor und gefährlich nahe an einen Rotfeuerfisch geriet.
Diese Erfahrung hat mir eine wichtige Lektion beigebracht: Beim Tauchen darf die Situationswahrnehmung nie leiden. Damals war ich immerhin im Kurs und wurde eng betreut. Heute sehe ich noch oft Taucherinnen und Taucher mit Kameras, die vermutlich besser zuerst mehr Erfahrung sammeln sollten um die Tarierung besser unter Kontrolle halten zu können.
Auch wenn die Bedingungen einfach waren und es Spass gemacht hat, zeigten die Resultate deutlich, dass Unterwasserfotografie Übung erfordert. Viele meiner Bilder waren unscharf, ein Hinweis darauf, wie schwierig es ist, Tarierung, Positionierung und Kameraführung gleichzeitig zu kontrollieren. Bei einigen Makroaufnahmen musste man später sogar wissen, wonach man sucht, um überhaupt etwas auf dem verschwommenen Korallenbild zu erkennen.
Erster Tauchgang: Ein Makro-Paradies
Schon beim ersten Tauchgang wurde klar, warum Chidiyatapu bei Makrofans so beliebt ist.
Die Sicht war ausgezeichnet, wir konnten das Riff bereits von der Oberfläche aus erkennen. Innerhalb weniger Minuten entdeckten wir unzählige Nacktschnecken.
Allein an einer Koralle waren es bestimmt zwanzig, einfach unglaublich!
Weitere Highlights waren:
- Titan-Drückerfische, die sich durchs Riff jagten
- Eine gut versteckte Boxer-Garnele (die ich alleine nie entdeckt hätte)
- Eine grosse Vielfalt an Rifffischen und Kleinstlebewesen
Gegen Ende des Tauchgangs zeigte sich jedoch auch eine weniger schöne Seite: Wir stiessen auf einen Fischfriedhof, daneben verstreuter Reis – vermutlich von lokalen Fischern entsorgt.
Zweiter Tauchgang: Eine Lektion in Tauchplanung
Der zweite Tauchgang begann vielversprechend, entwickelte sich aber schnell zu einer wichtigen Lektion.
Aufgrund eines zu kurzen Oberflächenintervalls und der Planung eines tiefen zweiten Tauchgangs erlaubten unsere Tauchcomputer nur zwei Minuten Grundzeit. Uns wurde vom Organisator geraten, die Einstellungen der Computer zu ändern, da sie angeblich zu konservativ seien. Vielleicht stimmt das, ein längeres Oberflächenintervall von einer Stunde oder mehr wäre jedenfalls sicherlich auch sinnvoll gewesen.
Beim ersten Tauchgang waren wir am längsten und am tiefsten unterwegs, das wurde bei der Planung offenbar nicht berücksichtigt, da andere Taucher genügend Pause hatten.
Trotz der kurzen Zeit sahen wir:
- Dichte Fischschwärme um uns herum
- Weitere Nacktschnecken und lebendige Riffszenerien
Doch fast sofort mussten wir wieder auftauchen.
Nachdem ich meine Nullzeit leicht überschritten hatte, war ich unsicher, wie ich reagieren sollte. Glücklicherweise blieb mein Tauchpartner (und Ehemann) ruhig. Für ihn war das nicht die erste solche Situation.
Wir stiegen sehr langsam entlang der Ankerleine auf und hielten uns an die Sicherheitsprotokolle.
Wichtige Erkenntnis: Planung ist entscheidend
Dieser Tauchgang hat eine zentrale Regel bestätigt:
Schlechte Planung kann selbst den besten Tauchplatz enttäuschend machen.
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Beim Tauchen solltest du immer:
- Ausreichende Oberflächenintervalle einplanen
- Tiefe Tauchgänge nicht zu spät in der Serie durchführen
(Mir wurde im Divemaster-Kurs gesagt, dass „tiefster Tauchgang zuerst“ etwas veraltet sei – in diesem Fall wäre es aber sinnvoll gewesen.) - Deinen Tauchcomputer und die Nullzeit genau im Auge behalten
- Oberflächenpause und Vorbereitung auf den Nachttauchgang
Nach dem zweiten Tauchgang gingen wir an Land, um zu essen und uns zu erholen.
Der dritte Tauchgang war als Nachttauchgang geplant, mit ausreichend langem Oberflächenintervall.
Die Vorbereitung dauerte länger als erwartet:
- Viele machten ihren ersten Nachttauchgang
- Die Ausrüstungsvorbereitung verzögerte die Gruppe
- Es gab nicht genügend Taschenlampen für alle
Einige waren sichtbar nervös und überprüften ihre Ausrüstung mehrfach, teilweise wohl auch, um den Einstieg hinauszuzögern.
Zum Glück hatten wir eigene Lampen und sogar eine Ersatzlampe, die wir sofort ausleihen konnten, als bei jemand anderem das Licht ausfiel.
Nachttauchen in Chidiyatapu: Was dich erwartet
Der Nachttauchgang war das absolute Highlight des Tages.
Nachts zeigt sich auf den Andamanen ein völlig anderes Ökosystem, viele Tiere, die tagsüber verborgen bleiben, kommen plötzlich hervor.
Wir sahen:
- Hummer
- Eine Muräne
- Grosse Krebse (darunter der grösste, den ich je gesehen habe)
- Zahlreiche Rifffische im Nachtverhalten
Und zum Schluss das Highlight:
- Eine kleine Seeschlange
Als Reptilienfan war das für mich ein unvergesslicher Moment.
Der letzte Aufstieg und eine Lektion in Vertrauen
Beim Auftauchen verlangte mein Tauchcomputer einen zusätzlichen Sicherheitsstopp, vermutlich wegen der vorherigen Überschreitung.
Während der Rest der Gruppe auftauchte, blieb ich auf fünf Metern Tiefe.
Allein im Wasser zögerte ich:
Sollte ich auftauchen und zur Gruppe zurückkehren? Oder meinem Training und dem Computer vertrauen?
Normalerweise bleibt man beim Tauchpartner. Gleichzeitig war mein Tauchpartner bereits aufgetaucht, ohne mir ein Signal zu geben. Üblicherweise wartet man, bis beide Computer das “OK” anzeigen, und steigt gemeinsam auf.
Ich entschied mich für die sichere Variante und blieb unten. Ich konnte die anderen an der Oberfläche sehen, was beruhigend war. Später wurde mir allerdings gesagt, ich hätte ebenfalls auftauchen sollen.
Das eigentliche Highlight kam an der Oberfläche: Sobald alle ihre Taschenlampen ausschalteten, zeigte sich eine magische Biolumineszenz. So etwas hatten wir noch nie gesehen! Es sah aus, als würden leuchtende Schlangen die Wasseroberfläche rund um das Boot umgeben.
Fazit: Lohnt sich Chidiyatapu?
Absolut.
Wenn du suchst nach:
- Herausragendem Makrotauchen auf den Andamanen
- Einzigartigen Taucherlebnissen
- Ruhigeren, weniger überlaufenen Tauchplätzen
Dann gehört Chidiyatapu definitiv auf deine Liste.
Vielleicht gibt es dort keine grossen Meeresbewohner, dafür aber etwas ebenso Wertvolles:
Eine tiefere Wertschätzung für die kleinen Dinge, die Bedeutung guter Vorbereitung und die Erfahrungen, die dich zu einer besseren Taucherin oder einem besseren Taucher machen.








