Warum ich nach 20 Jahren wieder Horror schreibe und was das mit einem besonderen Geschenk zu tun hat
Manchmal reicht ein einziger Moment, um etwas zu verändern. In meinem Fall war es ein Buch, das mir meine Frau Merve geschenkt hat: The Shining: A Visual and Cultural Haunting von Rough Trade Books. Ein sehr kunstvoll gestalteter Band über Stanley Kubricks Meisterwerk: The Shining (auch wenn Stephen King diesen Film nicht so mochte…) atmosphärisch, analytisch, intensiv. Das Geschenk war nicht einfach nur eine schöne Geste. Es war ein Impuls für mich. Ein Schlüssel zurück zu etwas, das ich viele Jahre tief in mir vergraben hatte: meine Liebe zum Erzählen. Zum Schreiben. Aber auch Horror!
Ich habe schon vor über 20 Jahren begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben, oft düster, verstörend, inspiriert von Autoren wie H. P. Lovecraft, Stephen King und Clive Barker. Es ging mir meist nie nur um Schockeffekte, sondern um das Unheimliche, das unter der Oberfläche unserer Realität lauert. Einige dieser Texte habe ich später in Comicform umgesetzt. Gemeinsam mit meinem damaligen kreativen Partner Miguel Riveros haben wir die Horror-Comic-Szene in Deutschland ein bisschen aufgemischt. Und haben unter dem Titel Unheimlich: Lovecraftian Horror einige Horrorcomics veröffentlicht. Es war roh, wild und ein bisschen verrückt. Jahre später entstand mit der Künstlerin Eve Jay ein Science-Fiction-Comicprojekt mit dem Titel UNISON, das wir gemeinsam geschrieben und gezeichnet haben. Es war eine Weiterentwicklung, ein Ausflug ins Spekulative. In die Welt der Fantasy, Science-Fiction, mit einer Prise kosmischen Horror. 2023 habe ich begonnen, mich wieder intensiv mit meinen alten Ideen zu beschäftigen, Skizzen, Konzepte, Figuren, die mich nie ganz losgelassen haben. Alle haben in einer Schublade, Schrank oder unter dem Bett gewartet. Vieles habe ich überarbeitet, dass es in unsere heutige Zeit passt. Anderes neu gedacht, vieles wieder verworfen, aber vor allem: neu geschrieben.
Eines der Ergebnisse meiner kreativen Reise ist mein erster längerer Roman: Zwischen Beton und Verfall
Aber worum geht es denn hier?
Der Roman spielt in einem Berliner Plattenbau, irgendwo zwischen Realität, Erinnerung und Wahnsinn. Im Mittelpunkt steht Emre, ein Hausmeister, der eigentlich nur seinen Job machen will oder muss. Bis er etwas hört, das nicht da sein sollte. Ein Flüstern. Ein Schatten. Ein Keller, der nicht einfach nur ein Keller ist. Was folgt, ist ein urbaner Horrortrip, in dem es nicht nur um übernatürliche Wesen geht, sondern um das, was wir Menschen mit uns herumtragen. Die Vergangenheit. Die Schuld. Das Schweigen. Und die Dinge, die wir lieber nicht sehen wollen, auch wenn direkt vor unserer Haustür liegen.
Warum ich Horror schreibe
Diese Frage beschäftigt mich schon lange. Warum dieses Genre? Warum Schatten, Blut, Wahnsinn? Früher hätte ich geantwortet: Weil es mich fasziniert. Heute sage ich: Weil Horror ehrlich ist. — Warum ehrlich? Horror hat eine Tiefe, die andere Genres oft meiden. Er zeigt, was zerbricht. Was weh tut. Was nicht ausgesprochen wird. Und ja, oft geht es darum, das Monster zu besiegen. Wobei das Monster steht, immer für etwas anderes: Ein Trauma. Ein System. Eine Angst. Ich glaube daran, dass gute Geschichten mehr können als unterhalten. Sie können sichtbar machen, was wir sonst ignorieren. Sie halten uns einen Spiegel vor und zwingen uns, hinzusehen. Nicht, um zu belehren. Sondern, um zu berühren.
Horror kann überall sein
Mit Zwischen Beton und Verfall wollte ich aufzeigen, dass Horror nicht nur in amerikanischen Vorstädten wir in Stephen King Bücher und Filmen oder viktorianischen Herrenhäusern wie bei HP Lovecraft stattfindet. Er wohnt auch in den grauen Treppenhäusern unserer Städte, in Deutschland, in Fluren mit Neonlicht, in Gesprächen, die nie geführt werden. In Familien. In Blockaufzügen. Und in der Stille nach dem Streit. Denn manchmal sind es nicht die Schattenwesen, die uns zerstören, sondern die Geschichten, die wir nie erzählen.
Das Buch ist jetzt erhältlich!
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Es ist mein erster Roman in dieser Länge und für mich persönlich ein großer Schritt. Ich bin dankbar für alle, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Für meine Frau ❤, die mich mit einem Geschenk zurück zum Schreiben gebracht hat. Und für jede Person, die sich auf diese Geschichte einlässt.
Zwischen Beton und Verfall ist für alle, die urbane Geschichten mögen, die nicht perfekt aufgelöst sein müssen, die das Unheimliche im Alltäglichen spüren, und die keine Angst davor haben, in einen dunklen Keller zu steigen, nicht, um das Monster zu finden. Sondern, um sich selbst zu begegnen.
📩 Ich freue mich auf eure Gedanken, Kommentare und Erfahrungen
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