Wut hält fest — Ablehnung bindet
Manchmal glauben wir, wir würden durch Wut und Ablehnung Distanz schaffen.
Wir würden uns abgrenzen von dem, was wir nicht mehr wollen.
Aber vielleicht passiert genau das Gegenteil.
Wut hält fest.
Das Thema in uns.
Den Menschen, von dem wir uns eigentlich entfernen wollen.
Und Ablehnung bindet uns viel stärker, als wir vermuten.
Wir glauben, wir würden uns wegdrehen.
Von dem, was geschehen ist.
Von dem Menschen, der uns vermeintlich etwas angetan hat.
Doch selbst wenn wir ihm den Rücken kehren, bleibt diese Bindung bestehen.
Sie zieht.
An uns.
An unserer Aufmerksamkeit.
An unserer Energie.
Dabei kann Wut zunächst etwas sehr Kraftvolles sein.
Reaktionswut kann durchaus ein Motor sein.
Sie hilft uns, uns aufzubäumen, uns zur Wehr zu setzen, in Bewegung zu kommen.
Aber eine Wut, die wir lange und still in uns tragen, macht genau das Gegenteil.
Sie raubt Energie.
Und sie kann uns körperlich und psychisch schaden.
Und was ist mit der Ablehnung?
Wir denken, wir drehen uns weg und gehen weiter.
Aber auch das funktioniert nicht wirklich.
Die Ablehnung in uns hält uns gebunden.
Wir laufen zwar weiter, aber als würde uns ein unsichtbares Gummiband immer wieder zurückziehen.
Get Jos Jostes’s stories in your inbox
Join Medium for free to get updates from this writer.
Wir kommen nicht wirklich von der Stelle.
Vielleicht laufen wir sogar im Kreis.
Was uns befreit, ist Wohlwollen.
Und im eigentlichen Sinne: Liebe.
Aber wie soll man etwas lieben, das uns verletzt, enttäuscht oder wütend gemacht hat?
Vielleicht müssen wir es gar nicht lieben.
Wohlwollen ist die kleinste Form von Liebe, zu der beinahe jeder fähig ist.
Wohlwollen bedeutet, dem anderen Wohlergehen zu wünschen.
Nicht, weil wir gutheißen, was geschehen ist.
Nicht, weil wir vergessen müssen.
Sondern weil wir aufhören, unser eigenes Wohlergehen an das Geschehene zu binden.
Was war, ist vorbei.
Es war wichtig.
Es war eine Lektion.
Eine Begegnung, die mir einen Blick auf mich ermöglicht hat, der mir ohne sie vielleicht verborgen geblieben wäre.
Dafür bin ich dankbar.
Und ich mache ab jetzt das Beste daraus.
Dir wünsche ich, dass du es ebenso tun kannst.
Und dass es dir damit wohlergeht.
Ich entlasse dich aus der Verantwortung für mein weiteres Leben.
Sie liegt ganz bei mir.
Und damit trenne ich die Verbindung zu dir und zu all dem, was mich verletzt hat.
Nicht aus Wut.
Nicht aus Ablehnung.
Sondern aus Wohlwollen.
Ich befreie mich davon.
Und schließe Frieden.
Jos







