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Michael Dettmer

Michael Dettmer⁠

Entrepreneur since 1986, Project Manager (PMI), Software Engineer and Developer, Nerd, Interested in Transparency, Complexity, Consciousness and Decisions

Die dunkle Seite der Macht?

6 min readApr 2, 2026

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Müssen Entscheidungen immer zur dunklen Seite der Macht gehören oder können sie auch zur guten Seite wechseln?

Was bedeutet Macht im echten Leben? Entscheiden zu können. Nicht „dürfen“ sondern zu „können“ — ein kleiner, aber feiner Unterschied. Macht — egal wie wir diese erworben haben — erlaubt es uns, Entscheidungen zu erzwingen. Und dabei gibt es keinen Bedarf für Transparenz, Erklärungen, Rechtfertigung oder andere Bedingungen. Einfach nur die Entscheidung.

Ein paar Beispiele gefällig?

Ein Richter „entscheidet“ per Definition. Er ist der Kopf einer Gruppe von Personen, die vom Staat das Recht erhalten haben, Macht auszuüben. Diese Macht ist nicht völlig unbeschränkt — Staatsanwälte und Rechtsanwälte sind ebenso wie weitere Richter an der Eingrenzung der Macht beteiligt. Wie der Richter allerdings zu einer Entscheidung gelangt, ist vollends von ihm allein bestimmt.

Ein Parteivorsitzender entscheidet, wer sprechen darf oder nicht. Er bestimmt — unter Berücksichtigung anderer Parteimitglieder — wer auf welcher Liste an welcher Position steht.

Ein Bürgermeister steuert den Gemeinderat mit seinen Entscheidungen. Er entscheidet, wie viel Zeit auf welches Thema verwendet wird, wer spricht, in welcher Reihenfolge. Er kann Gemeinderäte oder Bürger sanktionieren, indem er ihnen das Wort verbietet.

Ein Manager oder Firmeninhaber entscheidet, wie viel Geld für welches Thema investiert wird. Er entscheidet, wer welche Abteilungen leitet oder wer eingestellt oder entlassen wird.

Wann ist Macht nicht mehr erträglich?

Es wird immer schwer für uns, wenn Macht ausgeübt wird und wir uns ungerecht behandelt fühlen. Oder wenn wir der Ansicht sind, dass Andere schlecht behandelt werden. Doch wie können wir das verhindern?

Die Lösung liegt auf der Hand: Die Entscheidungen müssen begründet und erklärt werden. Daher kommt das Wort „Ver-Antwort-ung“.

Für alle Beispiele oben können wir uns vorstellen, dass die Entscheidungen auch „die Seite wechseln“ können. Und nicht mehr die „dunkle“ Seite der Macht vertreten.

Machtausübung führt zu Ohn-Macht desjenigen, der die Macht an jemand anderen übertragen hat. Der Bürger als Souverän des Staates hat einen Teil seiner Macht an Dritte abgegeben, an gewählte Vertreter, die ihn repräsentieren. In dieser Situation „ohne Macht“ ist es aber essentiell, dass er nicht nur Objekt der Machtausübung ist, sondern dass ihm auch ein Anspruch auf das Hinterfragen der Entscheidungen zusteht und er Antworten auf seine Fragen bekommt, um der Macht die Dunkelheit zu nehmen. Wie geht das:

Der Richter gibt eine plausible Erklärung für sein Urteil ab. Der Parteivorsitzende erklärt seine Prioritäten und Beweggründe für seine Entscheidungen. Der Bürgermeister gibt Regeln vor, nach denen diskutiert werden kann. Und der Manager legt eine professionelle Abwägung der Alternativen und Kriterien vor, nach denen er seine Mittel verteilt.

Wenn wir wissen, wie eine Entscheidung zustande kommt, ist eine Entscheidung zwar manchmal schwer erträglich aber trotzdem akzeptabel. Dunkle Entscheidungen sind das nicht. Das ist der Unterschied.

Wie treffe ich Entscheidungen?

Für das Treffen von Entscheidungen gibt es viele Methoden. Die einfachste (und gleichzeitig die schlimmste) Möglichkeit ist die Bauchentscheidung. Einfach, weil es schnell geht und unser limbisches System schon vorab programmiert ist. Und schlimm deshalb, weil erst NACH der Entscheidung die Erklärungen im emotionalen Wirrwarr des Entscheides gesucht werden müssen.

Eine solche Entscheidung ist selten gut. Die Natur hat uns diese Möglichkeit gegeben, um in Unsicherheit schnell reagieren zu können — um zu überleben. Diese Entscheidungen sind nicht zielführend für komplexe und unübersichtliche Zusammenhänge.

Eine weitere Möglichkeit ist eine einfache Abwägung. Das erfolgt, indem wir über verschiedene Möglichkeiten nachdenken und die späteren Auswirkungen gegeneinander stellen, also vergleichen. Das dauert länger, ist aber wirksamer. Die Abwägung ist für denkende Menschen die häufigste Art zu entscheiden. Das braucht allerdings ein wenig Zeit und geistige Anstrengung.

Diese beiden Arten der Entscheidung können sowohl auf der dunklen als auch auf der hellen Seite der Macht stehen. Ist der Entscheider ein Bully-Typ und entscheidet mit dem Bauch, wem er Gewalt antun will, dann ist das unerträglich. Ist er ein Arzt, der nachdenklich abwägt, dann ist es das, was wir wollen.

Jetzt geht es weiter

Bis hierher war alles „normal“. Jetzt gibt es aber Situationen, in denen diese beiden Methoden komplett versagen. Das offensichtlichste Beispiel sind Weltmodelle, wie sie die Wissenschaft schon eingehend untersucht hat. Wir kennen ja die Simulation unserer Welt in Form des Spiels „Sim City“. Dort gibt es sagenhaft viele Einflussgrößen und „Ereignisse“, die ständig unseren Plan zerstören. Wie im richtigen Leben.

Oder die Politik auf unserem Planeten. Die Konflikte unserer Welt sind so vielschichtig, dass es nahezu unmöglich erscheint, wirklich gute Entscheidungen zu treffen. Kann ein Krieg richtig sein? Wer kann das be-Urteil-en? Wir erinnern uns: Ein Urteil ist eine Entscheidung.

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Entscheidungen werden dann interessant, wenn diese Kriterien vorliegen:

  • Viele Alternativen oder Optionen
  • Viele Kriterien
  • Viele unterschiedliche Bewertungen
  • Viele Methoden für die Vorgehensweise

Überall steht jetzt „viele“ — aber was ist damit gemeint? Die Regel ist: Ab 5 werden die Dinge unübersichtlich. Ein Mensch kann in der Regel bis zu fünf voneinander unabhängige Faktoren richtig einschätzen. Und das ist dann schon sehr anstrengend. Professionelle Analysten können bis zu sieben Größen in Zusammenhang bringen. Aber dann ist ganz sicher Schluß.

„Viele“ beginnt also irgendwo zwischen 5 und 7. Sieben Kriterien oder Optionen oder unterschiedliche Bewertungen überfordern unsere Möglichkeiten, die Übersicht zu behalten — und mehr erst recht.

Ein Beispiel gefällig?

Eine Gemeinde will für seinen neuen Bauhof ein Grundstück auswählen. Es stehen 12 Alternativen zur Verfügung. Die Gemeinderäte haben 38 Kriterien aufgeschrieben, die ihnen wichtig sind. Wie soll das gehen?

Ein Arzt hat einen Krebspatienten. Es gibt 5 Methoden, ihn zu behandeln. Alle Medikamente haben Nebenwirkungen. Die Symptome der Nebenwirkungen sind Kriterien, nach denen der Arzt sich für eine Therapie entscheidet. Pro Behandlung gibt es mehr als 30 bekannte Nebenwirkungen — mit entsprechenden Wahrscheinlichkeiten. Also ca. 150 Parameter, auf die er aufpassen muss. Wirklich? Ja sicher — und da kommt dann seine Erfahrung bezüglich der Abwägung ins Spiel.

Was ist die Lösung?

Die Wissenschaft hat bereits mehrere Methoden zur Entscheidungsfindung untersucht. Es gibt eine Menge an Methoden, die gut beschrieben sind — und sich zum Teil ähneln. Hier die erfolgreichsten zwei Methoden:

Nutzwert-Analyse

Bei der Nutzwert-Analyse werden Kriterien und Alternativen in einer Art Matrix aufgestellt. Also beispielsweise Zeilen sind die Alternativen und Spalten die Kriterien.

Da sich die Kriterien nicht immer direkt vergleichen lassen (Äpfel und Birnen), wird ein „Normierungs-Schritt“ erforderlich. Details lassen wir an dieser Stelle aussen vor.

Haben wir eine Matrix mit normierten Kriterien, können wir eine Gewichtung vornehmen, um besonders wichtige Kriterien stärker zu Gewichten und unwichtigere Kriterien weiter nach hinten zu drängen. Dann können wir ein Ergebnis berechnen — und die Alternative mit der höchsten Punktzahl gewinnt.

Im Projektmanagement wird diese Methode oft für das Portfolio-Management genutzt, um über das Schicksal von Projekten zu entscheiden.

Analytic Hierarchy Process

Diese Methode zur Entscheidungsfindung ist nicht so offensichtlich und leicht zu verstehen wie die Nutzwert-Analyse. Sie basiert auf der Überlegung, dass es auch qualitative Kriterien gibt, die sich einer genauen Bewertung entziehen.

Beispiele sind Kriterien wie Design oder Qualität. Beide lassen sich nicht mit 10 oder 90 beziffern.

Der Ausweg aus diesem Dilemma: Es werden für jedes Kriterium immer alle Alternativen miteinander verglichen. Also Herr Maier ist uns wesentlich sympathischer als Frau Schulze. Frau Schulze ist uns aber sympathischer als Frau Müller. Und so weiter.

Das führt dann leider zu einer Vielzahl von Abfragen zu jedem Kriterium und das zu jeder Alternative. Es wird unübersichtlich. AHP ist letztlich noch aufwändiger zu berechnen als die Nutzwert-Analyse.

Die Berechnung erfolgt über die aus den Eingaben entstehenden Matritzen und über den so genannten „Eigenwert“. Auch hier verzichten wir auf Details. Das Ergebnis ist berechenbar, so wie bei anderen Methoden auch. Auch wenn es schwer zu interpretieren ist, ist seine Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen.

Unter dem Strich:

Entscheidungen sind nicht die „dunkle Seite“ der Macht, sofern sie professionell und transparent getroffen werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind sie willkürlich. Und das ist dunkel, das wollen wir nicht. Entscheidungen sind der Weg, auf dem Macht ausgeübt wird. Wenn der andere die Macht hat, sind wir selbst machtlos.

Sorgen wir also dafür, dass Entscheidungen professionell getroffen werden. Dafür kann man Excel verwenden oder professionellere Tools wie PhaenoMind. Sorgen wir außerdem dafür, dass sich unsere Politiker, Manager, Ärzte und Rechtsanwälte für die gute Seite entscheiden und transparent handeln.

Danke fürs Lesen — und bitte applaudieren oder kommentieren, jede Meinung ist herzlich willkommen.

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Written by Michael Dettmer⁠

Entrepreneur since 1986, Project Manager (PMI), Software Engineer and Developer, Nerd, Interested in Transparency, Complexity, Consciousness and Decisions